Samstag, 19. August 2017

Tag 47 - A Pobra do Caramiñal: Carme dos Pincheiros

Eigentlich wollten wir ja heute weitersegeln in die nächste Ría, aber vorher stand noch eine Runde durch den Ort an. Vom Hafen aus sah er nicht so verlockend aus, insbesondere weil am Ufer alle möglichen Fahrgeräte und Buden aufgebaut waren. Aber wir machten uns trotzdem auf den Weg und wurden, wie es oft bei niedriger Erwartungshaltung ist, sehr angenehm überrascht. Es gab einen wunderbaren Park mit großen Palmen und Blumen. Am Rand des Parks spielte ein Blasorchester verschiedene bekannte Melodien, unter anderem „Dr. Schiwago“ und „Don’t cry for me Argenina“. Uns gefiel besonders gut ein Cha Cha.
Wie sich herausstellte, wird hier gerade von Freitag bis Montag „Carme dos Pincheiros“ gefeiert, ein Fest zu Ehren von Jungfrau Maria in ihrer Eigenschaft als Schutpatronin der Fischer und Seeleute.
Es gibt verschiedene Musikgruppen, ein Volksfest, die Einwohner tragen gleiche T-Shirts und am Sonntag wird eine große Prozession stattfinden. Jedenfalls hatten wir so viel zu sehen, dass wir unsere Abfahrt verschoben haben und stattdessen mitten im Trubel zu Mittag gegessen und die Menschen beobachtet haben. Gerade im Moment nehmen wir hier im Hafen kostenlos am abendlichen Musikprogramm teil…
Wir arbeiten an unseren Visitenkarten, denn wir treffen immer wieder andere Langfahrt-Yachten und da ist es nett, wenn wir auf diesem Weg einfach unsere Kontaktdaten austauschen können. Außerdem haben wir einen Antrag gestellt, in den Naturschutzgebieten Segeln zu dürfen.

Hier in Spanien haben sie überhaupt gerne Formulare – so ist in jedem Hafen immer wieder eine vollständige Liste über Schiff und Crew mit allen Ausweisnummern etc. auszufüllen. Meine vorbereiteten Crew-Listen in Spanisch und Englisch mögen sie nicht. Diese enthalten zwar alle erforderlichen Informationen, aber leider nicht auf dem richtigen Formblatt… Aber durch unsere Erfahrungen mit der deutschen Bürokratie sind wir gut auf diese Herausforderung vorbereitet.

Freitag, 18. August 2017

Tag 46 - Vilagarcia-Caramiñal: Kreuzfahrt durch die Ría

Blauer Himmel, Sonne, wenig Wind und so lassen wir es wieder gemütlich angehen. Ralf macht noch eine Runde durch den (mittlerweile wieder sauberen) Ort und dann brechen wir wieder mit der Nachmittagsbrise auf zum nächsten Hafen. Wir müssen ein Stück aufkreuzen und nehmen deswegen das 2. Vorstag weg, denn es stört beim Wenden.

Ohne Welle macht auch mit der behäbigen Triton das Kreuzen Spaß und Ralf steuert per Hand oder eher per Fuß um die Viveros, Untiefen und ein Regattafeld herum. Am Ende sind durch die Kreuzschläge aus 7 sm 10 geworden.
Der Hafen liegt genau neben dem Badestrand und daher entscheiden wir uns auch für eine Abkühlung im Wasser direkt vom Boot aus – sehr erfrischend! Morgen ist hoffentlich mehr Wind und dann wollen wir eine Ría weiter segeln.

Donnerstag, 17. August 2017

Tag 45: Santiago de Compostela!

Viele Wege führen nach Santiago de Compostela, ab bekanntesten sicherlich der oder eher die Jakobswege, auf denen schon im Mittelalter viele Menschen nach hierher pilgerten.
Eine im 9. Jahrhundert entdeckte Grabstätte wurde als Grab von Jakobus dem Älteren (einer der Apostel) identifiziert (heute würde man sagen: sehr geschickte PR-Aktion), eine Kirche wurde errichtet und dies löste dann eine Wallfahrtsbewegung aus. Neben Rom und Jerusalem ist Santiago einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Christenheit.

Wie schon geschrieben, habe ich ja geschworen, auf den Knien nach Lourdes zu rutschen und mich alle 100 m hinzuwerfen und den Boden zu küssen, wenn alle meine Kinder den Schulabschluss schaffen sollten… Da nun dieses Jahr auch Paul das Abitur geschafft hat, musste ich ja mein Versprechen einlösen. Ich habe das dann etwas modifiziert und statt Lourdes (das im Binnenland liegt) Santiago ausgewählt. Auch das mit dem Rutschen klappt mit meinen kranken Knien nicht mehr wirklich gut. Also habe ich als Fortbewegung Segeln gewählt und wir haben tatsächlich 44 Tage und 1.053 sm (= 1.950 km) zurückgelegt, um hierher zu kommen. Etwas ungerecht finde ich ja, dass ich keine Pilgerbescheinigung bekomme, dafür hätte ich 100 km Laufen oder 200 km Radfahren müssen… Aber ich habe den Boden 3x geküsst und in der Kathedrale Kerzen angezündet (wieder elektrische s.o.).
Unser Weg führte erst einmal zum Bahnhof, wo wir mit dem schönen und neuen Zug in 20 Minuten Santiago erreichen. Wie es der Zufall wollte, waren unsere holländischen Nachbarn mit dem gleichen Zug unterwegs. Zuerst ging es natürlich zur Kathedrale, die gerade erst öffnete, so dass wir sofort hinein konnten.
Sie wird gerade umfangreich restauriert, so dass überall Baugerüste zu sehen waren – und natürlich viele (aber nicht unangenehm viele) Pilger und Touristen. An jeder Ecke werden Pilgermuscheln in jeder Art und Weise verkauft.
Leider konnten wir keine Führung mehr bekommen, aber wir schlossen uns einer englischen Stadtführung an und bekamen so einen guten Eindruck von der Stadt. Die Altstadt ist sehr zu Recht Weltkulturerbe, sehr gut erhalten und wirklich sehenswert!
Nach der Führung machten wir erst mal Pause und fanden ein nettes Restaurant direkt am Pilgerweg in die Stadt. Dort gab es sehr leckeres Essen und einen guten Überblick über die verschiedenen Pilgergruppen. Santiago hat rund 100.000 Einwohner und viele Studenten, so dass die Pilger das Stadtbild viel weniger prägen, als ich erwartet hatte.

Heute gab es dann keine Siesta, sondern wir gingen nochmals in die Kathedrale (immer noch keine Schlange) und dann in die „Monasterio de San Martín Pinario“, ein perfekt restauriertes barockes Kloster, das uns wesentlich besser gefiel, als die Kathedrale. Normalerweise bin ich eher für Bauhaus als für Barock, aber die Klosterkirche bzw. die verschiedenen Altäre und das Chorgestühl waren von absolut beeindruckender Handwerkskunst bis zur letzten Putte, Vergoldung und Verzierung.
Wir hatten gerade noch Zeit für eine Tasse Kaffee und dann fuhr schon wieder unser Zug zurück nach Vilagarcia. Für uns der beste Ausgangshafen für den empfehlenswerten Ausflug nach Santiago de Compostela.

Mittwoch, 16. August 2017

Tag 44 - Vilanova-Vilagarcia: Alltagsleben

Gleich nach dem Aufstehen machen wir uns – ausgerüstet mit Rucksäcken und Einkaufstaschen – mit dem Rad auf den Weg zum Supermercado. Unterwegs kommen wir an einem sehr netten Café mit Blick aufs Wasser vorbei und erkunden erst einmal die spanischen Frühstücks-Gewohnheiten: Ganz offensichtlich eher süß, denn es gibt Toast mit Marmelade, Donuts oder Kuchen zu Kaffee oder „Cola-Cao“.
Der Supermarkt sah von außen ziemlich klein aus, aber drinnen ist es gut sortiert mit einer beeindruckenden Fisch-und-Meeresfrüchte-Theke. Offensichtlich kommt hier alles, was sich irgendwie aus dem Wasser zerren lässt, auf den Tisch!
Der Rücktransport gestaltet sich abwechslungsreich, denn die Mountain-Bikes sind nicht wirklich zum Transport von Lasten vorgesehen und unterwegs reißt noch unsere gute Aldi-Tasche, aber alle Produkte landen sicher an Bord.

Nach der Siesta ist wieder ein leichter Wind aufgekommen und wir fahren nur mit Fock gemütlich die 5 sm zum nächsten Hafen, Vilagarcia, der einen Bahnhof hat, von dem wir morgen nach Santiago de Compostela fahren wollen.

Wie uns unsere netten holländischen Stegnachbarn erzählen, war hier gestern ein großes Fest mit Party die ganze Nacht. In der Stadt und im Hafen sieht es auch noch entsprechend aus – für Insider: wie nach Jans 16. Geburtstag mit passendem Geruch nach abgestandenem Bier… Wenn es hier Flaschenpfand gäbe, hätten wir reich werden können! Wir laufen also nur an den Bahnhof und besorgen schon mal Fahrkarten für morgen.

Dienstag, 15. August 2017

Tag 43 - Vilanova: Mariä Himmelfahrt

Heute ist „Asunción de María“, also Mariä Himmelfahrt, das ist hier ein Feiertag und alle Geschäfte haben zu. Wir verschieben daher unseren Einkauf auf morgen und aktivieren Schlauch und Staubsauger um die Triton auf und unter Deck zu säubern. Außerdem kümmern wir uns um Finanzen und Verwaltung, bearbeiten Post (die uns netterweise von meiner lieben Schwiegermutter per WhatsApp-Foto weitergeleitet wird), schreiben Mails und überlegen uns, wann wir wo genau sein wollen, weil wir sicher in einigen Häfen Plätze reservieren müssen.

Danach ist (ihr ahnt es sicher schon) erst mal wieder Zeit für die Siesta – sehr sinnvoll nicht in der heißesten Zeit des Tages unterwegs zu sein. Als wir uns um 16:00 Uhr auf den Weg machen, sind die Temperaturen aber schon wieder sehr angenehm geworden, ca. 24°C und leichter Wind. Ideal für eine kleine Radtour, denn beim Hafenmeister gibt es kostenlos Fahrräder zu leihen. (Im Hintergrund Mitte die Triton),
Wir fahren eine Runde durch den Ort und kundschaften schon mal den Supermercado aus.
Dann besuchen wir zwei verschiedene Strände, beide sehr schön mit Felsen und Bäumen, die Schatten spenden. Es gibt hier Touristen, aber gefühlt überwiegend Spanier, die wahrscheinliche der Hitze im Landesinneren entfliehen wollen. Dadurch gibt es Angebote mit Cafés und Restaurants aber es ist nicht voll und überlaufen – sehr angenehm! Zurück zum Schiff geht es dann über eine Brücke.
Wir kochen an Bord und zum Essen im Cockpit habe ich dann wieder meine Fleece-Jacke am Start. Nachts wird es richtig kühl, auch durch das kalte Wasser, und wir schlafen im Schiff sehr gut.