Dienstag, 17. Oktober 2017

Tag 106: Gran Tarajal - Morro-Jable: Wundern, ankern und hoffen

Leider kam der Wind in der Nacht nicht so wie erhofft. Wir haben uns also erst einmal schlafen gelegt. Zufällig waren wir beide um 6:00 Uhr wach, haben uns angesehen und beschlossen, egal ob Wind oder nicht, wir fahren jetzt weg, sonst bekommen wir einen Koller. Es wurde dann kurz nach 7:00 bis wir gewaschen und angezogen und die Triton seefertig war, aber dann ging es – noch in völliger Dunkelheit – los. Die Navigation hatte ich schon gemacht, also mussten wir nur den Plotter anschalten und den Kurs starten. Hm, was war das??? Auf dem Bildschirm war nicht nur unser Boot als kleinen Icon zu sehen sondern noch ein weiteres. Sah aus wie ein AIS-Signal. Aber das wird normalerweise von unserem Funkgerät empfangen und das ist ja defekt und ausgebaut…
Wir sind dann schließlich zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine magische Wunderheilung war, sondern dass das Signal von unserem AIS-Sender stammen muss, der auch empfangen kann. Solange das Funkgerät angeschlossen war, hat dessen Antennenweiche dieses Signal gestoppt… Das erklärt allerdings immer noch nicht, warum wir dann von Madeira nach Lanzarote und von Lanzarote nach Fuerteventura keinen AIS-Empfang hatten… Elektronik…

Jedenfalls mussten wir nicht lange motoren, die Sonne ging auf, es entwickelte sich ein netter Wind und wir konnten segeln.
Schon kurz vor 11:00 fiel der Anker in türkisblauem Wasser direkt von einem – diesmal sehr nett aussehenden – Resort. Auch temperaturmäßig ist es auf dem Wasser wesentlich angenehmer und wir konnten uns mit einem Bad erfrischen.
Es ist kein Problem, bis auf den Grund zu sehen, und den Sitz des Ankers zu kontrollieren. Auch einige Fische schwimmen unbeeindruckt unter uns und dem Schiff herum. Gut gekühlt werden alle Schattenspender aufgebaut und danach Frühstück im Cockpit serviert.
Es wurde uns nicht langweilig, denn hier sind jede Menge Boote unterwegs. Segel- und Surfschüler versuchen ihr Glück, fallen auch mal um und müssen gerettet werden, ein Touristenkatamaran mit Megafon und Musik spuckt Duzende von Badenden aus, Stand-Up Paddler und Schwimmer kommen dicht an uns vorbei.
Dann ankert auch noch die LOUSTIC neben uns, ein Katamaran mit französischer Flagge und drei Kindern an Bord. Der Vater kommt mit einem Kajak zu uns herüber und unterhält sich nett mit Ralf auf Englisch. Als der seine Sprachkenntnisse bewundert (aus unserer Erfahrung für Franzosen eher ungewöhnlich) stellt sich heraus, dass er Belgier ist (es geht doch nix über Vorurteile).

Nun genießen wir hier noch ein paar angenehme Stunden, bevor wir wieder auf den Nachtwind hoffen, der kräftig aus NE blasen soll und mit dem wir dann nach Gran Canaria wollen. Wir werden berichten, ob es klappt.

Montag, 16. Oktober 2017

Tag 105 - Fuerteventura: Warten auf Wind

Unser Auto muss um 11:00 Uhr abgegeben werden. Vorher wollen wir noch einmal in den Chinesischen Basar, um uns Polster für das Cockpit zu kaufen. Die gibt es dort sehr günstig und wir haben ausgemessen, dass sie passen. Mittlerweile kennen wir die wenigen Straßen und so ist der Einkauf schnell erledigt. Dann fahren wir zum Resort mit der Autovermietung. Anders als gestern in Caleta de Fuste haben wir es hier mit Edel-Tourismus zu tun, alles sehr schick und gepflegt, aber auch hier ist ein Animateur am Werk… Wir fahren mit dem Taxi zurück nach Gran Tarajal und halten unterwegs noch beim Bäcker für ein paar Baguettes.

Unsere neuen Polster sehen gut aus und sind bequem, aber mittlerweile ist es wieder sehr heiß geworden. Das Thermometer im Schiff zeigt 35°C, bei Windstille definitiv zu viel.
Wir beschließen, dass da nur eine ausgedehnte Siesta hilft und jeder zieht sich mit einem E-Book-Reader in eine Ecke zurück und bewegt sich möglichst wenig. Ich aktiviere wieder den kleinen Ventilator, ist aber auch nicht wirklich eine Verbesserung.
Erst nach 18:00 Uhr bewegen wir uns wieder etwas und kümmern uns um das Vorschiff. Bei der letzten Überfahrt waren unsere Netze aneinander gestoßen. Nun, frisch gewaschen, haben wir sie neu aufgehängt und die Körbe mit Kabelbindern befestigt. Mal sehen, wie sich das bewährt (Unschärfe im Foto wegen Bewegungstest). Bei der Gelegenheit kamen gleich auch der Staubsauger und frische Laken zum Einsatz. Nun hoffen wir auf Wind heute Nacht um nach Morro Jable weiterzusegeln und so unsere Überfahrt nach Gran Canaria um 20 sm zu verkürzen.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Tag 104 - Fuerteventura: Sonntags geschlossen

Auf unsere Liste steht heute als erstes das Museo del Sal. Schon auf Lanzarote hatten wir uns für die Salzgewinnung interessiert, aber dort gab es kein Besucherzentrum. Das soll nun hier anders werden und so fahren wir nach Las Salinas del Carmen.
Leider haben wir die Öffnungszeiten nicht richtig recherchiert, denn es ist sonntags geschlossen. Wir können nur eine Runde auf dem Außengelände laufen und die verschiedenen Becken anschauen. Das Salz kristallisiert an der Oberfläche bei einer Temperatur von über 30°C. Es kann dann mit einer Harke geerntet werden, was Fingerspitzengefühl erfordert.
Nun schlauer geworden schauen wir die Öffnungszeiten für die anderen Museen nochmal nach – und siehe da: alle am Sonntag geschlossen. Wir beschließen also, im nächsten Ort einen Festungsturm anzuschauen. Auch das ist nicht wirklich ein Erfolg. Caleta de Fusce ist total auf Tourismus eingestellt. Es fühlt sich an, als wären wir durch ein Portal in einer ganz anderen Welt gelandet. Überall Shops, die alle das gleiche anbieten (Hüte, Shirts, Schmuck, Andenken), jede Menge Restaurants, Bistros und Bars (mit Fußball auf Großbildschirmen), Animateure, Strand mit Schirmchen, und natürlich viele, viele Menschen in Bade- und Strandkleidung, mit Tattoos und Sonnenbrand und nach Schweiß und Sonnencreme „duftend“. Nicht 100%ig unser Ding.
Wir schauen noch im chinesischen Billigladen vorbei und kaufen dann im Supermarkt kalte Getränke (mit Touristenaufschlag). So ausgerüstet fahren wir weiter nach Puerto Rosario, der Inselhauptstadt und suchen uns dort ein schattiges Plätzchen mit Blick auf (Industrie)Hafen, Strand und Flugplatz um unsere mitgebrachten Brote zu essen. Auch diese Stadt kann mich nicht wirklich überzeugen.
Mittlerweile ist es Nachmittag geworden und wir kehren zurück nach Gran Tarajal, dass dankenswerterweise noch eher Dorfcharakter hat und dass wir nach den heutigen Erfahrungen viel mehr zu schätzen wissen. Der Bäcker unseres Vertrauens hat sonntags offen und auch noch Restbestände an Kuchen, den wir nach der Siesta genießen. Gegen Abend besuchen wir dann noch den Strand hier am Ort und erfrischen uns mit einem Bad im Meer und danach einer Dusche. Der Sand hier ist dunkelgrau und die Füße sehen entsprechend witzig aus.

Samstag, 14. Oktober 2017

Tag 103 - Fuerteventura: Mühlen, Ziegen und Atlashörnchen

Eigentlich wollten wir heute Morgen ganz früh Richtung Süden zum nächsten Hafen segeln, aber – entgegen den Angaben des Hafenmeisters – konnten wir das Hafengeld nicht abends bezahlen. Also entschieden wir uns spontan, hier zu bleiben und die Insel von diesem Hafen aus zu erkunden. Wir begannen mit dem Studium der örtlichen Gastronomie, in diesem Fall des Bäckers, und gingen erst einmal frühstücken.
Bei der Autovermietung gab es nur noch das Luxusmodell und so hatten wir diesmal mehr PS und ein Navigationssystem dabei. Auf dem Weg zur alten Hauptstadt Betancuria suchten wir uns ein paar Nebenstraßen aus und kamen an den typischen Ziegenherden vorbei. Angeblich leben auf Fuerteventura mehr Ziegen als Einwohner (etwas über 100.000).
Außerdem gibt es hier jede Menge Windräder, die wohl Wasser für die Tomaten- und Gemüsefelder pumpen.
An verschiedenen Aussichtspunkten treffen wir niedliche Atlashörnchen. Sie wurden in den 60er Jahren aus Nordafrika eingeschleppt und gelten als Schädlinge, da sie jedes noch so kleine Hälmchen Grün fressen. Ralf, der einen Apfel aß, wurde schnell ihr bester Freund…
Aber dann kamen zwei große Raben und die Hörnchen waren schnell wie der Blitz verschwunden.
Die vorherrschende Farbe der Insel ist braun, ab und zu unterbrochen durch eine Palme oder Kaktee. Dazwischen sind immer wieder einsame Häuser und mit braunen Tüchern abgedeckte Felder. Wenn Madeira der richtige Platz war, um Fantasy-Filme zur drehen und Lanzarote mühelos als Kulisse für verschiedene Planeten dienen könnte, so wäre Fuerteventura gut für Western geeignet. Ich kann mir gut vorstellen, wie an High Noon die Straße vor Hitze flimmert, während sich die Kontrahenten mit der Hand an der Waffe gegenüberstehen…

Die Orte sind nett, aber unspektakulär. Unser Ziel Betancuria ist sehr hübsch und wir machen Rast in einem wunderschönen Restaurant im Schatten großer Bäume. Es weht ein leichter Wind und so ist es dort gut auszuhalten. Insgesamt ist es heute nicht ganz so heiß wie gestern, aber wir sind immer ganz froh, wenn wir wieder in unserem klimatisierten Auto sitzen.
Auf der Rückfahrt besichtigen wir noch das kleine Mühlenmuseum, das Informationen über die verschiedenen Arten des Mahlens liefert (Mörser, Handmühle, Tiermühle, Windmühle). Die Spanier unterscheiden zwischen „El Molino“ (der Windmühle) und „La Molina“ (die Windmühle). Die männliche Molino ist ein rundes Gebäude mit zwei oder drei Stockwerken. Die vier oder sechs Flügel sind an einer beweglichen Haube angebracht. Die weibliche Molina ist einstöckig. Die Flügel sind am Flachdach des Mühlenhauses angebracht und bewegen über eine Verbindungsstange die Mühlsteine im Inneren des Gebäudes.

Freitag, 13. Oktober 2017

Tag 102 - Gran Tarajal: Calima und ein kleines Bier

Calima ist ein heißer, trockener Sandwind aus Afrika, der alles mit einem feinen Sandstaub überzieht und die Temperaturen um ca. 10°C erhöht – und genau diesen hatten wir heute. Nicht wirklich mein Wetter…
Wir sind nach dem Frühstück mal ganz laaaangsam und möglichst im Schatten in den Ort gelaufen. Unterwegs sehen wir ein nettes Bild von einem Meeresgott – möglicherweise Triton.
Wir besichtigen die Kirche, die in unserem Reiseführer als einziges sehenswertes Bauwerk bezeichnet wird. Leider nur von außen, denn sie ist geschlossen…
…und finden noch einen Seepferdchenbrunnen, der uns an Linda denken lässt. Sie weiß schon, warum…
Dann schleichen wir im Schatten wieder zurück zum Boot und machen Siesta. Ralf schafft es noch, ein Kabel anzubringen und ich höre das letzte Kapitel meines Buches und setze unseren 12V Ventilator ein.

Abends treffen wir uns mit den Crews von LOTHLORIEN und THYRA in einem netten Restaurant am Strand. Mittlerweile sind die Temperaturen akzeptabel geworden. Wir haben es sehr nett und Spaß mit dem Wirt, der sehr gut Deutsch spricht und ein echter Witzbold ist. Ralf bestellt: „Das kleinste Bier, das Sie haben“ und bekommt entsprechend ein Schnapsglas voll!