Samstag, 16. Dezember 2017

Tag 166 - Bridgetown: Regen und Sonnenschein

Auch heute gibt es tagsüber kein besonderes Programm. Bis wir in Ruhe gefrühstückt haben, ist es schon wieder Mittag geworden. Es gibt wieder eine Einkaufsexpedition und eine Siesta. Ich schreibe die Zusammenfassungen für November (hier) und die Atlantiküberquerung (hier) und merke wieder, wie viel, insbesondere wie viel verschiedenes wir erleben dürfen.
Heute gehen wir dann etwas früher an unseren Lieblingsstrand und baden und schnorcheln. Wir sehen mehrere Regenbogen und wieder einen dramatischen Sonnenuntergang. Wir nutzen die Happy Hour für ein paar Getränke und Jan lässt wieder die Poi fliegen. Auch wir anderen probieren es aus und Paul erweist sich als besonders talentiert. Ich schaffe wenigstens die vier Grundfiguren und bin damit zufrieden.
Das Abendessen (Spaghetti Bolognese) wird heute von Jan und Paul gekocht – schön, Kinder zu haben die kochen können (und das auch gerne tun).
Es ist sehr lecker aber ein wenig feucht im Cockpit, denn inzwischen hat es angefangen, heftig zu regnen. Der erste „richtige“ Regen seit Monaten für uns!

Freitag, 15. Dezember 2017

Tag 165 - Bridgetown: Gegensätze

Tagsüber gab es heute „Zeit zur freien Verfügung“ und so waren wir heute getrennt unterwegs. Ralf war in der Stadt bummeln, kaufte ein und kochte, Jan war schon vor dem Frühstück am Strand joggen und erkundete Bridgetown, Paul sagt er hat „mit Leonie telefoniert“ und ich bin immer noch nicht mit den Fotos fertig geworden.

Abendessen gab es schon um 17:30 Uhr (sehr gutes Curry-Huhn), weil Jan sich gewünscht hatte, zusammen den neusten Star-Wars-Film anzuschauen (mittlerweile Nr. 8 „The Last Jedi“). Es gibt hier drei Kinos, davon ein Autokino, dass ausscheidet und eines, dass auf Facebook so grottenschlechte Kritiken hat, also nehmen wir das dritte, dass in einem ca. 10 km entfernten Einkaufszentrum liegt.

Jan organisiert den Transport und daher ist es – aus unserer behüteten Sicht – ein kleines Abenteuer. Wir laufen ein Stück zu einer Busstation – ich habe leider kein Foto – an der Massen von Leuten an diversen Haltestellen warten (Freitag vor Weihnachten=Einkäufe in Bridgetown). Es gibt große blaue Busse, kleine gelbe Busse und weiße Minibusse, die kreuz und quer über den großen Platz fahren, aber keine sichtbaren Fahrpläne. Unter den Einheimischen fallen wir etwa so auf wie ein Eiterpickel auf einer sonst makellosen Stirn und so kommt uns eine nette Kanadierin zur Hilfe, die seit 20 Jahren in Barbados lebt und gibt uns Tipps, welchen Bus wir nehmen sollen.

Es ist dann einer von den kleineren gelben Bussen und da alle nach Hause wollen, ist er schon recht voll, egal, einer (oder vier mehr) gehen immer noch hinein und so halten wir uns so gut wir können fest. Jan und Paul haben keine Stehhöhe und haben daher die Möglichkeit, sich zwischen Boden und Decke zu verkeilen. Das ist auch wichtig, denn der Stil des Fahrers ist eher sportlich… Aus meiner Sicht war der Bus schon beim Start brechend voll, aber wie sich herausstellt können wir an jeder weiteren Haltestelle noch ein paar Personen aufnehmen. Irgendwann ist es nicht mehr erforderlich, sich festzuhalten, denn Umfallen ist unmöglich.

Leider können wir unsere Umgebung nicht sehen, denn es ist ja schon dunkel. Wir nehmen uns vor, auf jeden Fall auch einmal tagsüber mit dem Bus zu fahren. Nach und nach wird es dann etwas leerer, denn verschiedene „traditionell gebaute“ Damen steigen samt ihren Weihnachtseinkäufen aus und ich bekomme sogar einen Sitzplatz.

Wir kommen beim Einkaufszentrum an und größer könnte der Kontrast nicht sein: eben noch der volle, enge warme und sehr gebraucht aussehende Bus und auf einmal sind wir in einem total künstlichen Zentrum, menschenleer, teilweise eiskalt klimatisiert, elegant dekoriert und ausschließlich mit Luxus-Geschäften: Cartier, Bvlgari, Boss, Breitling…
Auch das Kino ist super stylish mit großzügigem Platzangebot, sogar vorne Liegesitze, Tischchen und Service am Platz. Der Film selbst gefällt Jan und Paul sehr gut, ich finde ihn besser als Teile 1-3, aber für mich ist das echte Star Wars (wahrscheinlich aus Nostalgie) immer noch Teile 4-6. Visuell ist der Film toll gemacht und auch die Schauspieler machen ihre Sache gut. Aber die Story und die Dialoge sind eher dünn und die Handlungen der Figuren manchmal unverständlich.
Zurück geht es dann mit dem Taxi, aber mir hat die Busfahrt mehr Spaß gemacht. Zusammen mit meinen persönlichen Bodyguards habe ich keine Angst, mich im Dunkeln in unbekannte Umgebung zu trauen und es ist viel interessanter, das normale Leben zu sehen und nicht nur die gestylte Touristen-Welt.

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Tag 164 - Bridgetown: Happy Birthday!

Jan hat Geburtstag (25) und deswegen lassen wir das morgendliche Arbeiten ausfallen und starten mit einem opulenten Frühstück gemütlich in den Tag. Jan und Paul waren Brötchen holen und haben verschiedene Rubbellose mitgebracht, die wir nach und nach freilegen – und tatsächlich ist ein Gewinn von 50 Barbados-Dollar dabei, den wir gleich einkassieren. Dann machen wir uns auf die Suche nach einer Wäscherei, aber leider ohne Erfolg. Schließlich landen wir wieder bei unserem teuren Wäscheservice. Unterwegs hätten wir aber noch lebende Küken kaufen können:
Wir halten es lieber mit toten Hühnern und nehmen einen Imbiss im Chicken-Barn, der uns von Einheimischen empfohlen worden war. Tatsächlich ist das Etablissement sehr gut besucht und die halben Hühner sind sehr lecker. Wir kaufen noch eine neue Pfanne und einen neuen Topf, diesen in einem unglaublichen Laden, eine Art Mischung aus Gebrauchtwarenladen und Resterampe in einer riesigen Halle – chaotisch und beeindruckend!
Zurück im Hafen sehen wir unsere erste Schildkröte, die ganz lässig die Algen an der Mauer abweidet. Wir hoffen nur, dass sie kein Problem mit dem vielen Müll bekommt, der im Wasser schwimmt.
Nach der Siesta, die nur kurz ausfällt, gehen Jan, Paul und ich noch an den Strand, wo Jan dann seine Poi auspackt. Ein Poi ist ein Ball, der an einer Schnur gehalten wird. Jan hat in jeder Hand einen und schwingt diese kunstvollen Bahnen und abwechslungsreichen Kombinationen um seinen Körper. Für mich sieht es nach einer Mischung von Jonglage und Tanz aus.
Dann ist es auch schon Zeit und für das Abendessen fertig zu machen, denn wir wollen den Geburtstag im Waterfront Café feiern. Aber erst werde noch ein paar Selfies geschossen.
Im Café wird heute Dixieland gespielt. Das Durchschnittsalter der Band liegt bei 70+, aber die Jungs wissen, was sie machen. Personal und Chefin sind sehr aufmerksam, besonders eine Dame ist sehr von Jan angetan, der ihr wohl nachmittags bei der Tischbestellung schon nette Komplimente gemacht hat. Wir haben jedenfalls einen schönen Abend mit leckerem Essen und guten Gesprächen – was geht es uns wieder gut!

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Tag 163 - Bridgetown: Glückliches Wiedersehen

Es gibt immer noch einiges am Schiff zu erledigen, denn wir brauchen mehr Kojen, weil unsere Söhne Jan und Max zu Weihnachten zu uns kommen. Während der Überfahrt hat das Vorschiff als Stauraum gedient. Nun wird alles leergeräumt und dann frische Laken aufgezogen. Auch Paul räumt seine Kabine auf. Ralf kümmert sich ums Bad und wir saugen das ganze Schiff – alles natürlich früh morgens vor dem Frühstück, das wieder üppig ausfällt. Morgen noch eine Frühschicht, dann ist die Triton wieder überall ordentlich und sauber.

Ich schreibe noch das Blog von gestern und fange an, mich um die diversen Fotos zu kümmern. Das wird noch einige Zeit dauern, das alles zu ordnen, auszuwählen und zu bearbeiten. Bei der Gelegenheit ordne ich auch noch gleich den Kartentisch und das Bücherschapp.

Am frühen Nachmittag laufen wir wieder an den nahegelegenen Strand und kühlen uns im Wasser ab. Dabei spielen wir sehr nett mit der 6-jährigen Tochter unseres Nachbarboots, der MIRABELLA. Später bauen wir dann noch große Sandburgen am Strand. Um 18:00 Uhr ist dann schon wieder Sonnenuntergang im Schnelldurchlauf – ruckzuck ist die Sonne fort!
Auf dem Rückweg gehe ich diesmal mit in den Supermarkt, nicht ganz so schlecht, wie von Ralf beschrieben, aber ich frage mich wirklich, wie die Leute hier die Waren bezahlen können. Wikipedia sagt, dass das BIP pro Einwohner nominal ca. 16.300 US-Dollar im Jahr beträgt – zum Vergleich: Deutschland fast 50.000 US-Dollar. Trotzdem finden wir Essen und Trinken sehr teuer. Heute Abend machen wir jedenfalls Pizza-Toast mit Bordmitteln und kaufen nur einen Salat.
Und dann ist es soweit: nach einem Jahr sehen wir unseren ältesten Sohn Jan wieder, der die Welt bereist und jetzt aus Mexiko eingeflogen kommt. Es gibt ein glückliches Wiedersehen und natürlich viel zu erzählen. Schön, dass wir jetzt Zeit miteinander verbringen können!


Dienstag, 12. Dezember 2017

Tag 162 - Bridgetown: Farewell Party

Die gute Nachricht: ich habe meine Laptop wieder zum Leben erwecken können und kann jetzt so nach und nach die Bilder ergänzen :-)!

Nach dem bewährten System stehen wir wieder bei Tagesanbruch auf, um weiter für mehr Ordnung und Sauberkeit im Schiff zu sorgen. Diesmal sind die Lebensmittel dran, die an verschiedenen, teilweise unzugänglichen Orten im Schiff gestaut waren und nun sinnvoll zusammengeführt werden. Der Raum unter Ralfs Koje wird komplett ausgewaschen, denn dort war durch das kaputte Fenster eine Menge Seewasser ins Schiff gelaufen. Danach finden alle an Bord vorhandenen Getränke dort ihren Platz. In der Zwischenzeit hat Paul das Cockpit mit Süßwasser gereinigt. Ihr wollt gar nicht wissen, was wir so alles unter den Bodenbrettern gefunden haben.
Dann geht Ralf zum nahegelegenen „Jordans“ Supermarkt um Brötchen zum Frühstück zu kaufen. Er kommt etwas ernüchtert zurück. Das Sortiment ist beschränkt und die Preise hoch. Aber es gibt ein paar „rolls“, so eine Art Brötchen, die man aber auf ca. Walnussgröße zusammendrücken kann. Bei Loslassen erreichen sie dann wieder das ursprüngliche Format… Nachdem seit Wochen (eigentlich seit Monaten) ständig über die Mengen meiner Einkäufe in gelästert wurde, erwarte ich, dass mir demnächst auf Knien für meine Voraussicht gedankt wird…
Wir toasten die Rolls in der Pfanne und haben dann ein leckeres Frühstück im Cockpit. Danach ist es eigentlich am sinnvollsten, von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr Siesta zu machen, denn es ist einfach nur heiß. Ich versuche, mit meinen Eltern über WhatsApp zu telefonieren, aber irgendwie klappt es nicht ganz. Ich höre sie, aber sie mich nicht. Schließlich probiere ich es mit Videos und Zeichensprache. Aber schön, dass wir uns gesehen und (teilweise) gehört haben! Bei Ralf und seinen Eltern lieft es besser mit dem Gespräch.

Später gehe ich dann noch eine Runde um den Hafen (langsam und im Schatten) und setzt mich auf eine Bank, um die Atmosphäre zu genießen. Ein netter Herr setzt sich neben mich und wir kommen ins Gespräch (das ist hier wirklich einfach und nur nett gemeint). Ich erzähle, woher wir kommen, wie gut es uns hier gefällt und wie lange wir hier sein werden und er gibt mir eine ganze Reihe von Tipps, was wir uns unbedingt anschauen sollen, schenkt mir einen Kalender und lädt mich samt Familie zum Weihnachtsgottesdienst in seine Kirche ein. Allerdings ist der Gottesdienst am 25.12. morgens um 7:00 Uhr. Eigentlich bei dem Wetter hier sehr vernünftig, aber ich weiß nicht, ob ich meine Männer motivieren kann…

Um 18:00 Uhr ist die große Abschiedsparty für die Odyssey im Barbados Yacht Club. Unsere Wäsche, die gestern von Laundry-Service am Boot abgeholt wurde, wird gerade noch rechtzeitig wieder geliefert und ist viel teurer als angekündigt. Das nächste Mal probieren wir dann den Waschsalon aus. Aber egal, eine ganze Truppe von Seglern macht sich auf den Weg. Wir sind zu zehnt und können doch tatsächlich einen entsprechend großen Bus ergattern. Diesmal sind wir schlauer und vereinbaren vorher einen Preis und die Währung (Barbados-Dollar oder US-Dollar, Verhältnis 2:1).

Der Yachtclub residiert in einem eleganten Gebäude natürlich direkt am Strand. Es gibt Rum Punch, Softdrinks und Häppchen, alle Kinder bekommen eine Anerkennungs-Urkunde und es werden Preise im Fischfang-Wettbewerb verteilt. Außerdem bekommen verschiedene Offizielle und Sponsoren den verdienten Dank und ein Geschenk.
Natürlich haben die Segler sich viel von ihren Erlebnissen bei der Atlantik-Überquerung zu berichten. Meine Erkenntnis: entweder es war eine gute Reise oder es gibt eine gute Geschichte zu erzählen. Ich höre von ungeplanten Tankstopps auf den Kapverden, Flöhen an Bord, Infusionen wegen fehlender Flüssigkeit, ernsthaften Lecks, die erst nach Tagen intensiver Suche gefunden werden konnten, Begleitung des leckenden Boots, damit ggf. die Familie (mit drei kleinen Kindern) hätte aufgenommen werden können, nächtlichen Tauchgängen, weil sich eine Leine um den Propeller gewickelt hatte samt Verletzung an der Hand (und der Frage, ob davon Haie angelockt werden…). Ein Crewmitglied hat das Boot auf den Kapverden verlassen, da es ihm zu unsicher erschien und ein anderes ist wegen ernsthafter Erkrankung des Skippers umgekehrt und wurde dann von einem anderen Mitsegler (dem mit dem ungeplanten Tankstopp) behandelt. Da sind wir mit unserem lecken Fenster und der verwickelten Fock ja noch gut weggekommen.